HOLGER STOCKHAUS mit „Reich des Todes“ eingeladen

 

„Reich des Todes“ – Regie: Karin Beier – Schauspielhaus Hamburg

 

Statement der Jury
Es ist ein fast Brecht’sches Aufklärungs- und Erinnerungstheater, das hier in einem Rausch aus Videobildern, Tanzszenen und Politiker*innenparodien auf einer Kerkerbühne von Johannes Schütz zu betrachten ist. In Karin Beiers Inszenierung hält das Theater Gericht über die moralische Verkommenheit der US-amerikanischen Regierung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 – aber auch über uns. Das brachial anklägerische Stück des Autors Rainald Goetz verpasst Männern wie Donald Rumsfeld oder George W. Bush eher läppische deutsche Namen; die Schauspieler*innen führen unter anderem durch eine Hitler-Parodie die Verwandtschaft von faschistischer Verrohung und zynischer Machtpolitik im 21. Jahrhundert vor. Die Faszination des Verbrechens, der archaische Skandal der Gewalt sind hier in grotesk ästhetisierten Folter- und Kriegsszenen abgebildet. Ein Stimmen-Orchester beschwört das Gedankengewitter im Kopf des Dichters und die Todesangst in uns allen. Durchaus nah am Text gelingt der Aufführung eine maßlose, grandios finstere, verstörende Gegenwartsbeschreibung.

Infos Theatertreffen

Copyrigt Foto:  Arno Declair